GKV-Finanzen: Beitragstöpfe schon im Oktober leer
Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gerät immer stärker unter finanziellen Druck. Laut dem BKK-Landesverband Bayern sind die regulären Beitragsmittel im Gesundheitsfonds bereits am 22. Oktober 2025 ausgeschöpft. Das bedeutet: Ab diesem Datum müssen die Krankenkassen die restlichen Ausgaben des Jahres über zusätzliche Beiträge finanzieren.
Wann ist der 'Tag der Überlastung' im Gesundheitswesen?
Der sogenannte Tag der Überlastung markiert den Zeitpunkt, ab dem die durch den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent generierten Gelder nicht mehr ausreichen, um laufende Kosten zu decken. Erst danach greifen die Zusatzbeiträge der Versicherten.
| Jahr | Datum der Überlastung | Resttage im Jahr | Zusatzbeitrag (Ø) |
|---|---|---|---|
| 2023 | 9. November | 52 | 2,7 % |
| 2024 | 31. Oktober | 61 | 2,85 % |
| 2025 | 22. Oktober | 70 | 2,95 % |
Warum steigen die Zusatzbeiträge?
Die Ausgaben für medizinische Leistungen wachsen schneller als die Einnahmen. Bei einem täglichen Finanzbedarf der GKV von 950 Millionen Euro sind die Reserven trotz Beitragserhöhungen schnell aufgebraucht. Fehlende Strukturreformen verstärken das Defizit zusätzlich.
Kritik an fehlenden Reformen
BKK-Landeschef Dr. Ralf Langejürgen warnt, dass ohne grundlegende Reformen die finanzielle Schieflage weiter zunimmt. Wirtschaftliches Wachstum könne das Problem nur bedingt abfedern – vor allem, wenn sich die Konjunktur schwächer entwickelt, als von der Bundesregierung erwartet.
"Solange die Politik keine strukturellen Veränderungen anstößt, wird die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben jedes Jahr größer", so Langejürgen.
Welche Rolle spielt die private Krankenversicherung?
In der aktuellen Diskussion gerät auch die private Krankenversicherung (PKV) stärker in den Blick. Sie ist zwar nicht direkt von den GKV-Finanzproblemen betroffen, zeigt aber, dass alternative Finanzierungsmodelle im Gesundheitssystem grundsätzlich möglich sind. Viele Versicherte vergleichen daher, ob ein Wechsel in die PKV langfristig Vorteile bietet.
Prognose für 2026: Steigende Risiken
Obwohl das Bundesgesundheitsministerium für 2026 ein moderates Wirtschaftswachstum unterstellt, zweifeln Fachleute an dieser Annahme. Selbst ein Wachstum von 1,3 Prozent, wie prognostiziert, dürfte nicht ausreichen, um das strukturelle Finanzdefizit der GKV zu stoppen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet lediglich mit 0,9 Prozent.
Fazit
Der Tag der Überlastung rückt jedes Jahr früher. Ohne politische Kurskorrektur drohen weiter steigende Zusatzbeiträge und zunehmende Belastungen für Versicherte sowie Arbeitgeber.
Zusammenfassung in 3 Punkten:
- Die GKV-Beitragsmittel reichen 2025 nur bis zum 22. Oktober – danach müssen Zusatzbeiträge greifen.
- Ohne Strukturreformen verschärft sich das Finanzdefizit weiter.
- Auch die private Krankenversicherung gewinnt in der Reformdebatte an Bedeutung.