Arbeitgeber fordern drastische Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung
Die deutschen Arbeitgeber wollen die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) deutlich senken. Ein unveröffentlichtes Positionspapier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), über das die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, enthält Vorschläge für tiefgreifende Reformen im Gesundheitssystem.
Ende der beitragsfreien Familienversicherung gefordert
Ein zentraler Punkt ist laut Bericht das Vorhaben, die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern ohne oder mit nur geringem Einkommen abzuschaffen. Diese sollen künftig selbst den monatlichen Mindestbeitrag von rund 220 Euro zahlen. Nach Berechnungen der Arbeitgeber würden die Krankenkassen dadurch rund 2,8 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen.
Rückkehr der Praxisgebühr – aber bei jedem Arztbesuch
Die BDA spricht sich zudem für eine Wiederbelebung der 2013 abgeschafften Praxisgebühr aus – allerdings in neuer Form. Statt einer pauschalen Gebühr pro Quartal soll bei jedem Arzttermin ein Beitrag von zehn Euro erhoben werden. Ziel ist es laut Papier, unnötige Arztbesuche zu vermeiden und die „Patientensteuerung“ zu verbessern.
Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel
Ein weiterer Reformvorschlag betrifft die Mehrwertsteuer auf Arznei- und Hilfsmittel, die von derzeit 19 auf 7 Prozent sinken soll. Diese Änderung würde laut Berechnungen rund 5,3 Milliarden Euro pro Jahr freisetzen.
Gesamteinsparungen bis zu 50 Milliarden Euro möglich
Unter Berücksichtigung aller Vorschläge belaufen sich die möglichen Einsparungen auf:
| Szenario | Gesamteinsparung pro Jahr |
|---|---|
| Optimistisch | 50 Milliarden Euro |
| Realistisch | 30–40 Milliarden Euro |
Damit könnten die jährlichen Ausgaben der GKV um bis zu zehn Prozent reduziert werden. Den Berechnungen zufolge wäre eine Senkung der Beitragssätze um 1,5 bis 2 Prozentpunkte machbar – ein Vorteil für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen.
Expertenkommission soll Reformvorschläge erarbeiten
Da die gesetzliche Krankenversicherung mit Milliarden-Defiziten ringt, hat Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Expertenkommission eingesetzt. Diese soll bis Frühjahr 2026 konkrete Reformideen vorlegen, um die Finanzierung des Systems langfristig zu sichern.
Wie unterscheiden sich gesetzliche und private Krankenversicherung?
Während die Debatte um Sparmaßnahmen in der GKV Fahrt aufnimmt, rückt auch die private Krankenversicherung in den Fokus. Sie finanziert sich anders: Versicherte zahlen einkommensunabhängig – je nach individuellem Risiko und Leistungsumfang. Wer gut verdient oder selbstständig ist, könnte durch die geplanten Kürzungen in der gesetzlichen Versicherung stärker über einen Wechsel in die private Krankenversicherung nachdenken.
Fazit
Die Vorschläge der Arbeitgeber könnten das deutsche Gesundheitssystem grundlegend verändern. Sie zielen auf eine Entlastung der Krankenkassen ab, greifen aber zugleich massiv in bestehende soziale Sicherungsmechanismen ein.
Zusammenfassung:
- Arbeitgeber fordern Ende der beitragsfreien Familienversicherung und Wiedereinführung der Praxisgebühr.
- Einsparpotenzial: bis zu 50 Milliarden Euro jährlich.
- Beitragssenkung um bis zu 2 Prozentpunkte denkbar – Reformkommission prüft Optionen.